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Katzen haben sieben Leben...
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Ich will Ihnen dazu eine Geschichte erzählen, die
mich nach vielen Jahren immer noch tief berührt. Sie endet eigentlich
gut, auch wenn sie zeitweilig traurig erscheint. |
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Es ist schon ein paar Jahre her, als ich die
Begegnung mit einer bildschönen graugetigerten Katze hatte. Ich wusste,
sie hatte sich im Heulager über unserem Pferdestall ein Quartier
geschaffen, denn ich sah sie oft davonlaufen, wenn ich zu den Pferden
kam. Ihre Scheu vor Menschen war unübersehbar, denn obwohl ich sie
lockte und mich klein machte, konnte ich sie nicht davon überzeugen,
dass ich es gut mit ihr meinte.
Tja, wie lockt man denn nun so eine halbwilde
Katze...? Mit süßer Stimme? Mit Futter? Nichts half. Sie reagierte
noch nicht einmal, lief einfach nur ganz schnell davon, sobald sie einen
Menschen in ihrer Nähe wusste. Nur der Futternapf, den ich dann für
sie bereitstellte, der war am nächsten Morgen leer geputzt!
Ich erinnerte mich an meine Oma. Von uns Kindern
wurde sie nur "Kateromi" genannt, weil sie immer Katzen hatte
und so konnten wir sie namentlich von unserer anderen Omi unterscheiden.
Wenn sie ihre Katzenfamilie füttern wollte, rief sie mit einem lecker
gefüllten Futternapf in der Hand immer: "Musch-Musch, komm...!
Musch-Musch!" Aus allen Ecken des Gartens kamen sie angelaufen,
denn Frauchens Stimme in diesem Ton brachte immer etwas Gutes! |
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Als ich das nächste Mal im Stall auf die scheue
Tigerin traf, rief ich einfach nach Kateromi´s Sitte: "Musch-Musch,
komm! Musch-Musch!" Und, ich wollt´s erst gar nicht glauben, sie
blieb abrupt stehen und schaute mir in die Augen! Sofort ging ich in die
Hocke und rief sie erneut, und jetzt kam sie sogar ein Stück auf mich
zu! Das war ihr Name! Ich hatte das Zauberwort gefunden,
auf das sie reagierte! Der erste Bann war gebrochen und ich war wirklich
tief bewegt... |
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Wir beide machten nun täglich unsere Fortschritte
und "Musch-Musch" fasste Vertrauen. Nach einiger Zeit konnte
ich sie anfassen, dann streicheln, schließlich nahm ich sie auf den
Arm. "Musch-Musch" schnurrte wie ein Weltmeister und fühlte
sich sichtlich wohl!
Wenn ich sie rief, dann kam sie. Sie kam selbst die
Leiter vom Boden hinunter oder über die Weide gelaufen, wenn ich sie
rief. Und immerzu wollte sie auf den Arm. Doch wenn ich im Stall war,
konnte ich natürlich nicht nur mit "Musch-Musch" schmusen...!
Also erfand ich eine "Technik", wie sie dabei sein konnte,
wenn ich die Boxen abäppelte oder frisch einstreute: Ich klemmte mir
Musch-Musch einfach unter den Arm! Dabei war natürlich hauptsächlich sie
geschickt! Sie lag an meiner Hüfte unter der Jacke und hielt sich dort
die Balance. Sie fand Halt in der Taille in Anlehnung an die Jacke und
das ganz ohne Krallen, meist schaute ihr kleiner Kopf vorn heraus. Im
Sommer, wenn ich keine Jacke trug, lag sie auf meinen Schultern! Dabei
musste ich aber ganz schön die Balance halten! |
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Es war ein super tolles Gefühl, Musch-Musch so nah
bei mir zu haben. Klaus ist auch so ein großer Katzenfan und wir
überlegten, ob wir Musch-Musch zu uns in die Wohnung nehmen sollten. Da
wir aber damals Pferde und Wohnung voneinander getrennt hatten, hätte
ein Umzug zu uns privat den Verlust von Musch-Musch´s Freigängertum
bedeutet. Sie hätte eine reine Wohnungskatze werden müssen. Da wir
nicht wussten, ob sie das akzeptiert hätte, entschlossen wir uns
dagegen... |
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Eigentlich war alles wunderbar, bis zu dem Tag, der
für mich immer unvergessen bleibt. Und eigentlich war es auch ein Tag
wie jeder andere auch, nur dass Musch-Musch zufällig in der Tür
saß...
Ich brachte die Pferde raus auf die Weide. Dazu
musste ich nur durch diese besagte Tür auf den Vorplatz gehen, um zum
Weidetor zu gelangen. Rajana am Halfter sah ich schon von weitem meine
kleine Katze. Sie himmelte mich an und war völlig auf mich
konzentriert. Sie fixierte mich mit ihren Augen, halb zugekniffen waren
sie. Flotten Schrittes näherte ich mich der Tür, die weit offen stand.
Die Katze saß auf dem Balken der Türschwelle.
Ich sah ihr auch in die Augen, als ich mich näherte
und sah, dass sie mich leise anmaunzte. Ich ging weiter und sie blieb.
Sie saß einfach nur da. Und anstatt zu versuchen, sie mit irgendwelchen
zischenden Lauten wegzujagen, rief ich mit strengen Ton laut ihren
Namen: "Musch-Musch!" Eigentlich so, wie man ärgerlich zu
jemandem ist, der eine Selbstverständlichkeit erkennen müsste und das
nicht tut! Sie sieht doch, dass ich mit einem Pferd an der Hand komme,
warum geht sie nicht ein Stück an die Seite? Aber sie ist halt nur eine
Katze, der man beigebracht hat, auf ihren Namen zu hören.
Und Musch-Musch tat das, was sie immer machte, wenn
ich ihren Namen rief, sie kam auf mich zu... Sie hatte nur mich im
Visier und gar nicht das Pferd! Sie lief genau unter den Vorderhuf von
Rajana. Ihre kleine linke Vorderpfote wurde getroffen und das Knirschen
ging mir durch Mark und Bein. Rajana fußte natürlich vollständig ab
und was aus dieser kleine Katzenpfote werden sollte, dass wollte ich
nicht wahrhaben!
Musch-Musch lief davon. Ich weiß heute nicht mehr,
wie sie das schaffte. Sie war schwer verletzt und das nicht nur
körperlich. Frauchen hatte sie gerufen, sie war voller Vertrauen
gekommen und daraufhin hatte sie unsagbare Schmerzen. |
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Es folgten Tage der Verzweiflung. Wir hatten starken
Frost und ich machte mir größte Sorgen. Musch-Musch kam nicht zurück.
Wir suchten die Heuböden der nächstliegenden Nachbarn ab -ohne Erfolg.
Nachts gingen wir durch die Straßen und riefen ihren Namen -wir sahen
sie nicht, einfach nichts. |
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Etwa ein viertel Jahr später war Musch-Musch wieder
da. Aber sie hatte sich verändert. Es war so wie am Anfang unserer
Freundschaft, sie lief davon und reagierte auf kein Rufen.
Immer noch war sie in dieser Gegend, auch auf dem
Hof, wo die Pferde standen. Wir sahen sie öfter, aber nur immer
weglaufen. War sie es denn nun, hatte sie es tatsächlich geschafft? Wir
waren total unsicher, vor allem, weil wir sie nicht genau sehen konnten! |
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Sie war halt graugetigert und ohne Abzeichen, diese
Katze, die dort immer weglief! Und konnte sie ihren damaligen Unfall
überhaupt überleben? War es nicht mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit eine offene Fraktur, eine abscheuliche, schmerzhafte
Wunde? Wie konnte sie sich in dieser Zeit überhaupt alleine ernähren
und wie konnte sie diese Verletzung auskurieren?
Nur ein einziges Mal hat mich diese Katze überzeugt,
dass sie wirklich Musch-Musch war!
Ich rief sie immer an, wenn ich sie sah, aber nur
wirklich dieses einzige Mal blieb sie stehen und sah mich an. Sie kam
auf mich zu. Ich konnte sie auf den Arm nehmen und sie schenkte mir ihr
tiefes Schnurren. Ja, sie war es, das fühlte und sah ich genau. Und
ebenso schnell, wie diese Begegnung begann, so endete sie auch wieder.
Mittendrin im Schnurren besann sie sich, sah mir in die Augen und sprang
mir vom Arm. Sie verschwand. |
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Tiere vergessen nicht, aber sie können verzeihen.
Und das wollte mir dieses kleine Bündel Lebensstärke einfach nur
beweisen.
Ich denke oft an sie, an meine kleine graugetigerte
Musch-Musch, die Katze mit dem großen Herzen... |
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Und eines sollten wir aus dieser Geschichte
verinnerlichen:
Tiere denken anders als Menschen. Wenn sie denken,
dann ist das an eine Erfahrung geknüpft, die sie mit einer positiven
oder auch negativen erlebten Empfindung verbinden! Einige sagen, dass
ist erlerntes Reaktionsvermögen, aber ich sage, sie denken. Sie
kombinieren einfach, und das sehr, sehr reaktionsschnell!
Sprechen sie z.B. niemals mit ihrem Tier in
"Verneinung": Du sollst jetzt nicht Sitz machen (Hund),
-er sollte nämlich "Platz" machen. Du sollst jetzt nicht Trab
gehen (Pferd), -es sollte im Schritt bleiben, oder ähnliches. Ihr
Tier hört nicht die Verneinung! Es hört nur bekannte Begriffe wie
"Sitz" oder "Trab" und verbindet das mit einem
"Auftragskommando"! Der Hund macht dann erst recht "Sitz",
wenn er das Wort hört, das Pferd geht "Trab", wenn es
im Satz erwähnt ist!
Und was ich im speziellen aus dieser Geschichte
gelernt habe: ich überlege mir gut, was ich meinen Tieren beibringe.
Sie müssen auch lernen zu weichen und nicht nur auf Namen zu kommen.
Der Ton in dem Kommando sagt eigentlich sowieso das Meiste aus!
Nur Musch-Musch hat niemals scharfe Töne von mir gehört
(Gelegenheitsmangel!). Ich hätte ihr beibringen müssen, dass sie
weicht, wenn der Ton strenger wird und das z.B. mit einem zischenden
Laut: "Kssss, kssss!" Das kann auch eine leicht Katze
erlernen! Und ich versuche Kommandos zu geben, dass sie wissen, was
Sache ist... Kurz, einfach, verständlich und schlicht. |
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Haben Sie auch eine Erfahrung mit
"Katzenausbildung"? Dann schreiben Sie mir eine Mail an info@sabine-und-klaus.de |
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